Wir trauern um Josef Deimer
Langjähriger Vorsitzender und Ehrenvorsitzender der Lebenshilfe Landshut e.V. verstorben.
Mit großer Trauer haben wir erfahren, dass Josef Deimer am 12. August 2026 im Alter von 90 Jahren verstorben ist. Mit ihm verliert die Lebenshilfe Landshut e.V. einen Menschen, der unseren Verein über mehr als ein halbes Jahrhundert begleitet, geprägt und entscheidend mitgestaltet hat.
Josef Deimers Verbindung zur Lebenshilfe begann bereits vor deren eigentlicher Gründung. Als Landshuter Stadtrat, 3. Bürgermeister und Abgeordneter des Bayerischen Landtags war er an den Vorbereitungen beteiligt, aus denen am 14. Dezember 1967 die Lebenshilfe Landshut e.V. hervorging. Bereits im April 1967 unterstützte er im Landshuter Stadtrat gemeinsam mit weiteren Weggefährten die Planungen für eine neue Pestalozzischule mit heilpädagogischem Kindergarten. Auch die damals entstehenden Strukturen für Werkstätten für Menschen mit Behinderung waren Gegenstand seines politischen Engagements.
Am 1. Juli 1971 übernahm Josef Deimer den Vorsitz der Lebenshilfe Landshut e.V. Dieses Ehrenamt übte er 50 Jahre lang bis 2021 aus. Anschließend wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Eine solche Kontinuität und Verbundenheit mit einer Organisation ist außergewöhnlich.
In diesen fünf Jahrzehnten entwickelte sich die Lebenshilfe Landshut e.V. von einer noch jungen Eltern- und Selbsthilfeorganisation zu einem großen sozialen Träger mit vielfältigen Angeboten für Menschen mit Behinderung in der gesamten Region. In die Zeit seines Vorsitzes fallen unter anderem der Aufbau und die Erweiterung der Werkstätten, die Übernahme der Pestalozzischule in die Trägerschaft der Lebenshilfe, der Aufbau der Frühförderung, zahlreicher Wohnangebote und Förderstätten, der Familienentlastenden und später Offenen Behindertenarbeit sowie die Gründung der Landshuter Werkstätten GmbH und der Haus der Lebenshilfe GmbH im Jahr 2003. Später kamen zahlreiche weitere Wohn-, Arbeits-, Bildungs- und Unterstützungsangebote hinzu.
Als die Lebenshilfe Landshut e.V. 2017 ihr 50-jähriges Bestehen feierte, blickte Josef Deimer selbst auf diesen Weg zurück. Aus den bescheidenen Anfängen war zu diesem Zeitpunkt ein Verbund entstanden, der rund 2.000 Menschen mit Behinderung in 46 Einrichtungen und Angeboten begleitete. Seine Vorstellung war dabei nie auf Versorgung allein beschränkt. Es ging ihm darum, Menschen mit Behinderung einen selbstverständlichen Platz in der Mitte unserer Gesellschaft zu ermöglichen und Teilhabe, Gemeinschaft und Zugehörigkeit Wirklichkeit werden zu lassen.
Josef Deimer brachte in dieses Engagement nicht nur außerordentlich viel Zeit und persönliche Energie ein. Er nutzte auch seine Möglichkeiten und seinen Einfluss als Oberbürgermeister der Stadt Landshut, als Vorsitzender des Bayerischen Städtetages und als Mitglied des Bayerischen Senats immer wieder für soziale Anliegen. Der Bayerische Landtag würdigte bereits 2016 ausdrücklich, dass ihm soziale Gerechtigkeit und die Bedürfnisse der Menschen vor Ort besonders wichtig waren und dass er die Lebenshilfe Landshut e.V. mit aufgebaut hatte.
Dabei war sein Engagement für die Lebenshilfe weit mehr als eine weitere Aufgabe neben seinen zahlreichen öffentlichen Ämtern. Die Stadt Landshut bezeichnete die Lebenshilfe anlässlich seines Todes als ein besonderes Herzensanliegen Josef Deimers und erinnerte daran, wie wohl er sich gerade im Kreis von Menschen mit Behinderung fühlte.
Wer Josef Deimer begegnet ist, hat erlebt, dass hinter seinem Einsatz eine tiefe persönliche Überzeugung stand: Der Wert eines Menschen bemisst sich nicht an Leistung, Fähigkeiten oder gesellschaftlicher Stellung. Jeder Mensch gehört dazu.
Diese Haltung verbindet sich in besonderer Weise mit dem Auftrag der Lebenshilfe. Und sie lebt heute in der täglichen Arbeit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter.
Josef Deimer hat die Entwicklung der Lebenshilfe Landshut e.V. über Jahrzehnte ermöglicht, begleitet und geprägt. Viele der Einrichtungen, Angebote und Strukturen, in denen wir heute arbeiten, entstanden während seiner Zeit als Vorsitzender. Vor allem aber hat er dazu beigetragen, dass die Anliegen und Rechte von Menschen mit Behinderung in Landshut und weit darüber hinaus sichtbar wurden und Gehör fanden.
Die Landshuter Zeitung überschrieb ein ausführliches Gespräch mit ihm zu seinem 85. Geburtstag mit seinen Worten:
„Was bleibt, sind die Menschen.“
Vielleicht beschreibt kaum ein Satz treffender, was Josef Deimer uns hinterlässt.
Wir verlieren einen außergewöhnlichen Wegbegleiter, einen engagierten Fürsprecher für Menschen mit Behinderung und einen Menschen, der mit der Geschichte der Lebenshilfe Landshut e.V. untrennbar verbunden bleiben wird.
Wir sind Josef Deimer für fünf Jahrzehnte außergewöhnlichen Engagements, für seine Verbundenheit und für sein Lebenswerk zutiefst dankbar.
Unser Mitgefühl gilt seiner Frau Hildegard, seiner Familie und allen Menschen, die ihm nahestanden.
Die Lebenshilfe Landshut e.V. wird Josef Deimer ein ehrendes und dankbares Andenken bewahren.